März 2024

240303

ENERGIE-CHRONIK


Bund übernimmt die Gasnetzbetreiber Gascade und NEL

Die bundeseigene SEFE Securing Energy for Europe, die aus der früheren Gazprom Germania hervorging (220608), wird Alleingesellschafterin der WIGA, der die beiden Gasnetzbetreiber GASCADE und NEL gehören. Wie die SEFE GmbH am 26. März mitteilte, hat die EU-Kommission die dafür erforderliche beihilferechtliche Genehmigung erteilt. Bisher gehört die WIGA noch zu 50,2 Prozent der BASF-Tochter Wintershall Dea AG, von der sich der Chemiekonzern infolge des Totalverlusts seines Russlandsgeschäfts (230103) völlig trennen will. Im Dezember hat er bereits das operative Wintershall-Geschäft für 2,15 Milliarden Dollar einem britischen Erwerber verkauft (231204. Nun darf er auch die Beteiligung an den beiden Ferngasnetzbetreibern zu einem bisher nicht bekannten, vermutlich aber schon vereinbarten Preis dem bundeseigenen Gazprom-Nachfolger überlassen.


Die Karte zeigt das 3700 Kilometer lange Gasnetz der GASCADE mit den acht Leitungsabschnitten STEGAL, MIDAL, RHG, WEDAL, NOWAL, JAGAL, EUGAL und OPAL sowie die derzeit in Bau befindliche OAL von Rügen nach Lubmin (lila). Die"Nordeuropäische Erdgasleitung" (NEL) ist blau eingezeichnet. (Karte vergrößern)

Die Gascade Gastransport GmbH verfügt über ein 3700 Kilometer langes Gasnetz mit den acht Leitungsabschnitten STEGAL, MIDAL, RHG, WEDAL, NOWAL, JAGAL, EUGAL und OPAL sowie der derzeit in Bau befindlichen OAL (231011). Die später hinzugekommene "Nordeuropäische Erdgasleitung" (NEL) verbindet die RHG (Rheden-Hamburg-Gasleitung) mit dem Ostsee-Anschlusspunkt Lubmin und ist 440 Kilometer lang. Sie war ebenfalls ein Abschnitt des Netzes, das die BASF-Tochter Wintershall und die russische Gazprom nach der Liberalisierung des Energiemarktes gemeinsam aufbauten. Im Unterschied zu Gascade gehörte sie den beiden aber nicht komplett, weshalb 2012 die Zusammenfassung unter dem Dach der WIGA Transport Beteiligungs-GmbH & Co. KG erfolgte (141206).

Mit der Übernahme von Gascade und NEL wird die Bundesregierung der zweitgrößte deutsche Gasnetzbetreiber nach der Open Grid Europe GmbH, die als Nachfolgerin der einstigen Ruhrgas (240205) über eine Leitungslänge von rund 12.000 Kilometer verfügt. Allerdings wird das nur vorübergehend so sein, obwohl es durchaus vernünftig wäre, die energiewirtschaftliche Infrastruktur soweit wie nur möglich dem Staat zu übertragen. Dafür sorgt die neoliberale Dogmatik der EU-Kommission, die bereits ihre am 30. Dezember 2022 erteilte Genehmigung für die Verstaatlichung der Gazprom Germania mit der "Vorlage eines klaren Plans für den Ausstieg des Staates aus dem Unternehmen bis 2028" verbunden hat. Zu den weiteren Auflagen gehörte: "Die SEFE GmbH darf keine Beteiligung an anderen Unternehmen erwerben, es sei denn, es wäre für die Gewährleistung ihrer langfristigen Rentabilität unerlässlich." Deshalb musste die Bundesregierung für den Kauf der WIGA jetzt erst die Genehmigung aus Brüssel einholen.

 

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