Juli 2023

230711

ENERGIE-CHRONIK


 


Nach Ansicht der beiden Branchenverbände BWE und VDMA schlummert allein im "Repowering" kurz- bis mittelfristig ein Potential von bis zu 54 Gigawatt. Gemeint ist damit die Ersetzung alter Windkraftanlagen durch neue, die am selben Standort höhere Leistungen erbringen. Zum Beispiel enthält der unten genannte Bruttozubau für das erste Halbjahr 2023 insgesamt 80 Repowering-Projekte mit 396 MW. Da zugleich 198 alte Anlagen mit 239 MW ersatzlos stillgelegt wurden, ergibt sich so ein Nettozubau von 133 Anlagen mit 1.325 MW, der den Gesamtbestand auf 28.517 Anlagen mit einer kumulierten Leistung von 59.343 MW erhöht. Diese Grafik der Deutschen Windguard lässt erkennen, dass der Repoweringanteil am Brutto-Zubau im Jahr 2014 mit fast 40 Prozent seinen bisherigen Höhepunkt erreichte und die so gewonnene Leistung (blau) fünfmal höher war als jene, die durch ersatzlose Stilllegungen verloren ging (schwarz).

Windkraft-Zubau hat sich beschleunigt – aber noch nicht genug

Im ersten Halbjahr 2023 wurden in Deutschland 331 Windenergieanlagen an Land mit einer Leistung von insgesamt 1.565 Megawatt (MW) neu errichtet, wodurch sich der Gesamtbestand auf 28.517 Anlagen mit einer kumulierten Leistung von 59.343 MW erhöhte. Dies teilte am 18. Juli die Deutsche WindGuard GmbH mit, die im Auftrag des Bundesverbands Windenergie (BWE) und des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) seit 2012 regelmäßig die neuesten Daten zur Entwicklung der Windenergie ermittelt. Der halbjährliche Bruttozubau erreichte damit bereits 65 Prozent des Zubaus des Gesamtjahrs 2022. Dennoch genügt dieses Tempo noch nicht, um den in § 4 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) vorgesehenen Ausbaupfad einzuhalten, der bis 2024 eine Gesamtkapazität von 69 GW und bis 2030 von 115 GW vorsieht.

Dies sehen auch die beiden Verbände so. In ihrer gemeinsamen Stellungnahme bewerten sie zwar die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung sowie die aktuelle Dynamik beim Zubau und bei den Genehmigungen positiv. Zugleich betonen sie aber, dass die Genehmigungszahlen "bei weitem noch nicht ausreichen, um den Ausbaupfad von jährlich 10 GW ab 2025 zu stemmen". Die Diskrepanz zwischen Realität und Zielsetzung könne nur durch die konsequente und zügige Umsetzung der Maßnahmen reduziert werden, die vor allem auf Betreiben des Bundeswirtschaftsministeriums auf Bundesebene beschlossen wurden. Dazu bedürfe es intensiver Anstrengungen anderer Ressorts wie des Bundesverkehrsministeriums, der beteiligten Landesministerien und der Behörden vor Ort. Die Lücke zwischen Zubau und Ziel dürfe sich keinesfalls vergrößern, sondern müsse kleiner werden.

Hohe bürokratische Hindernisse bremsen Zubau aus

"Langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie der Mangel an verfügbaren Flächen stellen weiter die größten Zubauhürden dar", sagte Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer VDMA Power Systems. . Die Verfahrenslaufzeiten seien laut der Fachagentur Wind an Land (FA Wind) nach einem kurzen Rückgang im Jahr 2021 zuletzt sogar auf einen neuen Höchstwert angestiegen und lägen nun bei 24,5 Monaten. Es dürfe nicht weiter wertvolle Zeit verstreichen, bis die Bundesländer diese Regelungen schlussendlich umsetzen. Mit dem derzeitigen Tempo würden die Ziele verfehlt. Hersteller und Zulieferer brauchten die zügige Projektrealisierung, auch um Fertigungskapazitäten auszulasten und Wertschöpfung für künftige Investitionen in den Kapazitätsausbau zu sichern.

Engpässe behindern Transport von WKA-Bauteilen

Auch die langwierigen Genehmigungsprozesse für die Transporte der Anlagen seien ein echter Flaschenhals für die Realisierung von Projekten und eine hohe Belastung für die Branche. Mit beschleunigten und verschlankten Genehmigungsverfahren müsse die Zahl der Anträge deutlich verringert werden. Die Branche und die Behörden müssen entlastet und die Genehmigungszeiten und Kosten deutlich gesenkt werden. Zudem seien Behelfsmaßnahmen im Infrastrukturbereich notwendig, um Transportengpässe zu verringern. Vor allem die Probleme beim Transport von WKA-Bauteilen auf der Straße müssten schnell und bundeseinheitlich gelöst werden. Die Binnenschifffahrt werde voraussichtlich erst mittel- bis langfristig größere Anteile des Transports übernehmen können, wenn Zuwege, Häfen, Wasserstraßen und Schleusen entsprechend ausgebaut sind.

"Beschleunigtes Repowering eröffnet Potential von bis zu 54 GW"

Einen wichtigen Hebel zum schnellen Erreichen der Ausbauziele sehen die beiden Verbände BWE und VDMA Power Systems beim beschleunigten Repowering . "Der Ersatz von Windenergieanlagen, die ihr Lebensende erreicht haben, durch moderne Anlagen steigert die Effizienz der Stromerzeugung, senkt die Kosten und unterstützt die Akzeptanz der Windenergie", sagte die BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek. "Es gilt, Repoweringprojekte durch Beschleunigung in den Genehmigungsverfahren deutlich voranzubringen. Das Potential liegt bei rund 13.600 Anlagen mit einer Leistung von mehr als 18 GW bis Ende 2028. Hier schlummert kurz- bis mittelfristig ein Repowering-Potential von bis zu 54 GW".

 

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